Ich tanze den Alkohol weg!

Es ist Samstag, vier Uhr morgens und ich kann nicht mehr einschlafen! Dieser Umstand ist wie ein Besucher aus einem früheren Leben. Als der Abend mit einem Glas Wein eingeleitet wurde und der Alkohol und dessen Folgen mich in meinem Schlaf wieder eingeholt haben. Genau daran denke ich als ich nun wach im Bett liege. Es fühlt sich an wie eine Erinnerung aus alten Zeiten was ich gerade erlebe. Ich denke noch darüber nach was der Grund für meinen unruhigen Geist sein könnte, als ich mich entscheide aufzustehen.

Um fünf Uhr sind die Blumen im Garten gegossen, mein Arbeitszimmer ist aufgeräumt, mein erster Kaffee steht vor mir und wir läuten den Tag ein bevor die Sonne überhaupt aufgegangen ist. Alles fühlt sich ungewohnt vertraut an. Früher ging es mir oft genauso. Ich habe damals schnell festgestellt, dass das verzweifelte Warten auf den Schlaf im Bett mich nur frustrierte und so war ich in den ersten Morgenstunden voller Tatendrang gewesen, um den Unmut, die Angst und Verzweiflung und die unruhigen Gedanken der Nacht loszuwerden. Heute weiß ich, dass ich diese dem Alkohol zu verdanken hatte.

Irgendwo in meinem Hinterkopf denke ich mir, dass das schon damals nicht die beste Bewältigungsstrategie war und nehme mir vor an einem späteren Zeitpunkt genauer darüber nachzudenken. Nicht aber jetzt. Jetzt bin ich müde und bereue, dass ich schon vor einer Woche zugesagt habe, zu dem Geburtstag einer Freundin, der Mutter meiner Mitbewohnerin, zu gehen. Es ist nicht so, dass ich mich darauf nicht freuen würde, mir steht im Augenblick jedoch viel mehr der Sinn danach müde und im eigenen Frust auf dem Sofa zu vergehen. Früher hätte ich das getan. Ich hätte mir irgendeine Lüge einfallen lassen, um den Frust des Tages am Abend wieder alleine mit einem Glas Wein zu ertränken. Heute fällt mir beim besten Willen kein Grund ein, um für Abends abzusagen.

So finde ich mich ein paar Stunden später bei der Geburtstagsfeier wieder. Auf Kaffee und Kuchen folgt ein griechisches Buffet zum Abendessen, immer wieder begleitet von der Band meiner Mitbewohnerin. Ich bin müde und kenne kaum jemanden, aber nach einer anfänglichen Schwerfälligkeit, die sicher auch mir selbst zuzuschreiben ist, habe ich dann doch sehr schöne und interessante Gespräche. Zufrieden habe ich die Erkenntnis, dass niemand auf dieser Feier mich jemals trinkend erlebt hat. Ich kann hier einfach die wassertrinkende Person ohne alkoholische Vergangenheit sein und mir gefällt das Image am heutigen Abend sehr! Vielleicht auch gerade deshalb, weil es das genaue Gegenteil von dem ist, wie früher ein solcher Tag für mich ausgegangen wäre. Nach dem Essen spielt die Band wieder und die Mutter meiner Mitbewohnerin animiert mich dazu mit ihr zu tanzen. Wir zwei sind die einzigen, die tanzen, und ich denke zu sehr darüber nach welcher Arm wo hin gehört und welche Bewegung auf die nächste folgt. Ich mache eine leichte Drehung und habe ein Tablett voller Ouzogläser vor mir, das die Kellnerin gerade in den Raum trägt. Auffordernd hält sie es mir vor die Nase und ich winke ab und wende mich wieder der Musik zu. Ich tanze den Ouzo von mir weg. So leicht und einfach wie sich diese Entscheidung angefühlt hat, so einfach fühlt sich jetzt auch das Tanzen an.

Verfasst von

Hallo, ich heiße Nina. Ich bin Sinologin und Sozialwissenschaftlerin. Ich habe früher getrunken...gar nicht wenig. Das tue ich jetzt nicht mehr. Über das Leben ohne Alk, die Herausforderungen und Freuden daran, und welche Rolle unsere Gesellschaft darin spielt, möchte ich auf diesem Blog berichten! (Bisschen Hunde Content kann ich nicht ausschließen- bin stolze Hundemama)

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